Hervorragende Leistungen bei der Staatsmeisterschaft 2014

Bei den vom 10.4. bis 13.4. in Krieglach (Steiermark) ausgetragenen Österreichischen Meisterschaften und Österreichischen Staatsmeisterschaften war unsere Gilde mit 4 Startern vertreten: Johannes und Franziska Stefani sowie Marie-Theres Auer in den Junioren-Klassen, Katharina Auer bei den Frauen. In den Klassen Männer und Frauen werden die Titel „Österreichischer Staatsmeister“ bzw. „Österreichische Staatsmeisterin“ vergeben, in allen anderen Klassen die Titel „Österreichischer Meister“ bzw. „Österreichische Meisterin“.
Johannes Stefani
Den Anfang machte Johannes am Samstag Vormittag. Im ungemein starken Teilnehmerfeld der Junioren männlich war klar, dass ein Platz unter den Top 20 bereits ein ausgezeichneter Erfolg wäre. Vor allem wenn man bedenkt, dass Johannes einerseits zuletzt ein wenig mit seiner Form gekämpft hat und er andererseits das 60-Schuss Programm eher selten zu absolvieren hat.
Trotz der großen Nervenanspannung, die ein Wettkampf in dieser Größenordnung und dieser Bedeutung mit sich bringt, ist er ausgezeichnet in den Wettkampf gestartet. In den ersten 4 Zehnerserien hat er eines seiner besten Ergebnisse geliefert und er war drauf und dran, sich unter die Top-10 zu schießen. Leider erfolgte dann in Serie 5 ein leichter Einbruch, der ihn in der immensen Leistungsdichte sofort um etliche Ränge zurück warf. In Serie 6 konnte er aber wieder seine Qualitäten ausspielen, erzielte mit 604,2 Ringen sein mit Abstand bestes 60-Schuss-Ergebnis dieser Saison und erkämpfte letztendlich einen hervorragenden 15. Rang. Ohne dem Einbruch in Serie 5 wäre ein Platz unter den Top-10 fix gewesen. Aber auch Rang 15 bedeutet ein absolutes Top-Resultat!
Katharina Auer
Im nächsten Durchgang war Katharina in der Frauenklasse an der Reihe. Bei den Frauen war die Startliste voll von aktuellen und ehemaligen Nationalkaderschützinnen, wobei die aktuelle Nummer 9 und Nummer 23 der Weltrangliste am Start waren. Das erklärte Ziel konnte demnach maximal ein Platz im Finale sein. Parallel zur Einzelwertung wird bei den Österreichischen Meisterschaften auch der sehr begehrte Meistertitel in der Mannschaft vergeben. Dazu nominiert jedes Bundesland jeweils 3 Starter pro Klasse in die Mannschaft. Ein Umstand, der den mentalen Druck auf einen Schützen natürlich deutlich steigert, da man nicht nur für sich selber, sondern auch für die Mannschaft antritt. Wie schon berichtet war Katharina für das Tiroler Team nominiert.
Wie gewohnt startete Katharina souverän in den Wettkampf. Nach 30 Schuss hatte sie erst einen Neuner erzielt und lag auf dem dritten Platz hinter den beiden Topfavoritinnen Lisa Ungerank (Nummer 9 der Weltrangliste, Europameisterin 2013, Weltcup-Siegerin 2013) und Stephanie Obermoser (Nummer 23 der Weltrangliste, Rang 19 bei den Olympischen Spielen 2012). Zudem war sie drauf und dran, ihr erstes A-Limit zu schießen. In der letzten Serie machte sich dann aber doch die Nervenanspannung bemerkbar und sie beendete ihren Wettkampf mit 100,9 (auf ganze Ringe: 96). Im Grunddurchgang bedeutete dies Rang 5, womit das angepeilte Finale locker erreicht wurde. Mit 411,9 erschoss sie sich zudem das 3. B-Limit in der laufenden Saison, wodurch sie sich erstmalig die Kaderzugehörigkeit für den Luftgewehrkader 2015 sicherte. So ganz nebenbei erzielte Katharina das beste Ergebnis der Tiroler Mannschaft und trug somit ganz erheblich dazu bei, dass die Mannschaft Tirol den Österreichischen Staatsmeistertitel vor der Mannschaft Oberösterreich erringen konnte. Sie darf sich somit ab sofort als „Österreichische Staatsmeisterin in der Mannschaft“ bezeichnen.
Franziska Stefani
Nach den Frauen waren dann die Juniorinnen weiblich an der Reihe. In dieser Klasse war die Schützengilde Roppen gleich mit zwei Starterinnen vertreten. Für Franziska waren die Voraussetzungen ähnlich wie bei Johannes: ein Platz unter den Top-15 erschien realistisch und hätte ihr Nominierung für das Tiroler Aufgebot mehr als nur gerechtfertigt. Franziska startete sehr nervös in ihren Wettkampf. In der Phase merkte man, dass ihr schlichtweg die Erfahrung bei solchen großen Wettkämpfen fehlt. Den Umgang mit der Anspannung, der Nervenbelastung und der speziellen Atmosphäre solcher Bewerbe kann man nicht trainieren. Die dazu notwendige Erfahrung kann man sich nur direkt in solchen Wettkämpfen erarbeiten.
In den ersten beiden Zehnerserien blieb sie ein wenig unter ihren Möglichkeiten, war aber trotzdem auf dem Weg unter die Top-15. In Serie 3 und 4 kam sie dann aber fantastisch in den Wettkampf und konnte ein Topleistung abrufen. Schuss für Schuss schoss sie sich nach vorne. Mit 402,8 Ringen kam sie nahe an ihr bestes Qualifikationsergebnis heran, welche sie im Rahmen der Bezirksmeisterschaft erzielt hat. Mit diesem Ergebnis errang sie im Grunddurchgang den sensationellen 7. Rang und somit einen im Vorfeld nicht zu erwartenden Finalplatz. Wie dieses Ergebnis einzuordnen ist kann man vielleicht daran erkennen, dass sie damit die aus Kirchbichl stammende Maria Weiskopf hinter sich lies. Diese startete noch vor wenige Wochen für Österreich bei der Europameisterschaft in Moskau und musste jetzt aufgrund der starken Leistung von Franziska um den Finaleinzug zittern.
Marie-Theres Auer
Marie-Theres hatte schon im Vorfeld die Parole ausgegeben, dass sie dieses Jahr mit der Tiroler Mannschaft auf jeden Fall eine Medaille holen will und im Einzel unbedingt um die Medaillen mitmischen möchte. Wenn man bedenkt, dass auch bei den Juniorinnen eine ganze Reihe von international erfolgreichen Schützinnen am Start waren, eine starke Ansage.
Der Wettkampf startet dann denkbar schlecht: die – vorsichtig ausgedrückt – „übermotivierten“ Steirischen Kampfrichter behaupteten während ihren Probeschüssen, Marie-Theres hätte mit der Hand bzw. dem Gewehrgriff unerlaubten Körperkontakt und verhinderten dadurch, dass sie in Ruhe ihre Probeschüsse absolvieren konnte. Vor dem letzten Probeschuss drohten sie ihr sogar die Disqualifikation an. Erst ein Machtwort des Wiener Oberschiedsrichters beendete dann diese Diskussion. An einen konzentrierten Wettkampfstart war aber natürlich nicht mehr zu denken und Marie-Theres startete prompt mit einer 9,4 und einer anschließenden 10,0. In dieser Leistungsdichte ein echter Fehlstart. Anschließend fand sie aber schnell wieder in den Wettkampf und kämpfte sich mit den ersten beiden Zehnerserien auf Rang 3 vor. Ihre Gegnerinnen und ein mögliches Limit in greifbarer Nähe wurde sie aber übermotiviert und versuchte in Serie 3 besonders sauber zu schießen. Ein Vorhaben, welches leider komplett daneben ging. Nach dieser Serie war sie nicht einmal mehr auf Finalkurs. Mit der entsprechenden Wut im Bauch lief es dann plötzlich wieder und mit einer sensationellen 4. Serie (103,4 bzw. 99) kämpfte sie sich wieder zurück auf Rang 3 des Grunddurchganges. Der bedeutete gleichzeitig, dass sie mit der Tiroler Mannschaft überlegen den Österreichischen Meistertitel erzielte.
Finale
Das Finale der Juniorinnen weiblich und der Frauen fand gleichzeitig statt. Von den insgesamt 16 Finalteilnehmerinnen stellt die Gilde Roppen mit 3 Schützinnen nahezu ein Fünftel des Starterfeldes. Obwohl im Finale alle bei Null starten, konnte das realistische Ziel unserer Finalistinnen nur lauten: die Platzierung aus dem Grunddurchgang annähernd halten.
Bei den Frauen waren mit Ausnahme von Katharina ausschließlich aktive oder ehemalige Kaderschützinnen vertreten. Erwartungsgemäß entwickelte sich diese Finale fast schon zu einem Gemetzel. Als erste musste sich die mehrfache Armbrust-Weltmeisterin Franziska Peer verabschieden. Anschließend erwischte es die wohl beste Schützin Österreichs: Lisa Ungerank. Bei Katharina lief es von Beginn an nicht so rund, wie sie sich das vorgestellt hat. Sie startete mit zwei Neuner in das Finale, konnte dann aber ein paar Zehner nachsetzen. Für kurze Zeit bedeutete dies sogar Rang 2 in der Zwischenwertung. Nach zwei weiteren Neuner-Wertungen fand sie sich nach dem Ausscheiden von Ungerank plötzlich auf Rang 6 und somit auf dem Schleudersitz wieder. Mit zwei Zehner-Wertungen konnte sie noch eine Schützin hinter sich lassen, im nächsten Durchgang war dann allerdings endgültig Schluss. Mit Rang 5 hat sie aber das Ergebnis des Grunddurchganges eindrucksvoll bestätigt und in Anbetracht der Leistungsdichte im Österreichischen Schießsport ein ausgezeichnetes Ergebnis erzielt.
Bei den Juniorinnen konnte Franziska den guten Lauf aus den letzten Serien des Grunddurchgangs in das Finale mitnehmen und lag nach den ersten 6 Schüssen auf Rang 6. Die Gefahr, nach 8 Schüssen als erste abtreten zu müssen, war somit vom Tisch. In den Schüssen 9 und 10 lief es dann nicht mehr ganz optimal, was aber letztendlich den sensationellen 7. Rang im Endergebnis ergab. Eine Top-Platzierung!
Sensationell stark startete Marie-Theres ins Finale. Mit 2x 10,7 und einmal 10,6 übernahm sie sofort die Führung. Ein weiterer Zehner steigerte aber ihr Nervosität so sehr, dass zwei Neuner folgten. Genug, um schlagartig auf Platz 5 zurück zu fallen. Mit 10 Zehnerwertungen in Serie kämpfte sie sich aber auf Rang 3 zurück, den sie dann bis zum Schluss problemlos verteidigen konnte. Neben Mannschaftsgold erzielte sie somit auch noch die Bronzemedaille in der Einzelwertung und wurde ihrer Ansage vor diesen Meisterschaften voll gerecht.
Nächstes Jahr wieder
Diese Ergebnisse zeigen, dass unsere „Jungen“ inzwischen zur absoluten Spitze im Österreichischen Schießsport gehören. Mit solchen Veranstaltungen werden sie für das Training und den Einsatz, den sie das ganze Jahr über zeigen, eindrucksvoll belohnt. Und alle vier waren sich einig: nächstes Jahr wollen wir wieder bei den Österreichischen Meisterschaften dabei sein.
Die Schützengilde Roppen gratuliert allen vier Schützen zu den erzielten Leistungen.